Felix Weyer beweist Mut. Wenn sein Vater in Rente geht, wird er den familiengeführten Winzerbetrieb in Grevenmacher übernehmen. Damit gehört er zu einer kleinen Gruppe junger Menschen, die an der Luxemburger Mosel noch diesen Weg gehen. Bei 60 Prozent der Winzer über 50 Jahre ist die Betriebsnachfolge nicht gesichert. „Ein junger Winzer steht heute vor steigenden Kosten, viel körperlicher Arbeit, Wetterrisiken und einem Markt, der schwieriger geworden ist. Da stellt sich für viele die Frage: Kann ich davon wirklich gut leben?“, erklärt Felix Weyer.
Die Folgen sind in den Weinbergen sichtbar. Immer mehr Flächen liegen brach. Wo früher Reben gepflegt wurden, wuchert heute Gestrüpp. Genau dort setzt die „Wéngertsbourse“ an: eine digitale Plattform, die Besitzer*innen von Rebflächen und Interessenten eine zentrale Anlaufstelle für Kauf und Pacht bietet. Wer eine Parzelle abgeben will, erstellt mit wenigen Klicks eine Anzeige. Wer eine sucht, kann direkt Kontakt aufnehmen. Das Angebot ist der zentrale Baustein des LEADER-Projektes „Rebflächenbörse & Brachflächenmanagement“, für das Felix Weyer als Projektkoordinator neben seiner Arbeit im elterlichen Weinbaubetrieb tätig ist.

Fachlich ist der 26-Jährige bestens gerüstet: Nach seiner Ausbildung als Techniker im Gartenbau an der Ackerbauschule in Ettelbrück entschied er sich für ein duales Studium in Weinbau und Oenologie am Weincampus Neustadt. Intensive Praktika haben ihn sowohl ins nahegelegene Nittel als auch ins pfälzische Deidesheim und in die Champagne geführt: Genussregionen, die ebenso wie die Luxemburger Mosel auf den Tourismus setzen.
Wer eine Parzelle abgeben will, erstellt mit wenigen Klicks eine Anzeige.
Die RebflÄchenBÖrse bringt ANBIETER und Interessenten Unkompliziert zusammen
Wer eine sucht, kann direkt Kontakt aufnehmen.
„Das Hauptziel des LEADER-Projektes ist, die Kulturlandschaft zu erhalten“, so Felix Weyer. Denn brachliegende Weinberge sind mehr als ein ästhetisches Problem. Ein Flickenteppich aus bewirtschafteten und verwilderten Parzellen kann für die ganze Region gefährlich werden.“ So können verwilderte Rebflächen, sogenannte Drieschen, zu einem Krankheits- und Schädlingsherd werden: Die Rebstöcke treiben weiterhin aus und überwuchern große Flächen. Wenn sie krank oder von Schädlingen befallen sind, kann sich das auf benachbarte Weinberge übertragen. Zudem begünstigt die mangelnde Bewirtschaftung den Samenflug und den Unkrautbewuchs in der Umgebung.



„Besonders heikel ist das bei Krankheiten wie der Flavescence dorée, einer gefährlichen Rebenkrankheit, durch die Amerikanische Rebzikade übertragen wird. Solche verwilderten Flächen bieten den Überträgern oft gute Rückzugsorte“, erläutert Felix Weyer.
Dass die „Wéngertsbourse“ rege genutzt wird, stimmt ihn jedoch zuversichtlich. Das digitale Matchmaking funktioniert offenbar über Generationen hinweg: „Neulich hat mir ein 81-jähriger Winzer berichtet, wie einfach es war, seine Anzeige online auszufüllen. Die Prüfung in Sachen Nutzerfreundlichkeit dürfte die Plattform damit bestanden haben“, sagt er lachend.
Doch nicht jede Fläche findet sofort einen neuen Bewirtschafter. Auch dafür bietet die Plattform Hilfe: Informationen zu staatlichen Beihilfen für die sanitäre Rodung, Kontakte zu Lohnunternehmen, die Weinberge pflegen können, Hinweise zur Beweidung mit Schafen und zu Biodiversitätsprogrammen.
Um sich einen besseren Überblick zu verschaffen, arbeitet Felix Weyer derzeit an einem Inventar der brachliegenden Parzellen. Künftig will er verstärkt auf Sensibilisierung setzen und Informationsabende in den Gemeinden organisieren.
Und weil LEADER immer auch für Innovation steht, denkt er bereits über alternative Kulturen nach, etwa Nüsse und Mandeln. Gut geeignet sind Pflanzen, die mit sonnigen, trockenen, oft steinigen Standorten zurechtkommen. Betriebe, die ein solches Pilotprojekt umsetzen wollen, sind willkommen.