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Eine Region auf Achse

April 2026
Die Mëllerdaller Produzenten wollen zeigen, was ihre Region ausmacht – mit Produkten, Geschichten und einem neuen Auftritt. Ein mobiles Konzept soll Sichtbarkeit schaffen, und aus Vielfalt möchte der Verein eine gemeinsame Identität formen.

Künftig können die Mëllerdaller Produzenten ihre Region einfach huckepack nehmen. Das klingt vielleicht ein wenig übertrieben, aber mit dem neu angeschafften Werbeanhänger können sie zumindest eine Auswahl dessen, was die Region Müllerthal kulinarisch zu bieten hat, unkompliziert auf Tour mitnehmen. Das Gefährt ist eine mobile Visitenkarte und bietet Besucherinnen und Besuchern von Märkten und Veranstaltungen ein Erlebnis. „Der Verbraucher lernt den Hersteller kennen, er hört die Geschichte hinter dem Produkt, er kann entdecken und genießen“, erklärt Katharina Lentz.

Seit vergangenem Jahr koordiniert sie ein LEADER-Projekt, das den Verein der Mëllerdaller Produzenten professionalisieren und langfristig stärken soll. Es geht um mehr als Organisation. Es geht um ein Bild, das sich festsetzt: das Müllerthal als Region mit eigener kulinarischer Identität. „Das schaffen wir nur, wenn wir viel in der Region unterwegs sind“, sagt Katharina Lentz. Der Anhänger kann sowohl als kollektiver Verkaufs- und Probestand eingesetzt als auch von den einzelnen Produzenten für eigene Aktionen ausgeliehen werden.

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Dabei war von Anfang an klar: Mehr Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit verlangt nach einem zeitgemäßen und harmonischen Erscheinungsbild. Doch wie bringt man 24 Mitglieder dazu, sich beispielsweise auf ein Logo zu einigen? „Eine Identität und ein Design, das alle gleichermaßen anspricht, das ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Aber mit dem Willen zur Basisdemokratie und einem langen Atem klappt’s dann doch“, sagt Ben Weber, Vizepräsident des Vereins.

Das Potenzial ist beachtlich, die Herausforderungen ebenso. Im Verein arbeiten Hobbyimker neben Getränkeherstellern, die landesweit Supermärkte beliefern. Kleine Strukturen treffen auf professionelle Produktion. Gerade diese Spannweite macht den Verein besonders. Es ist der einzige Zusammenschluss dieser Größe in Luxemburg, in dem Produzenten nicht nur Marketing und Kommunikation abstimmen, sondern auch gemeinsame Ziele und Werte definieren.

Mit der Unterstützung einer externen Beratungsfirma haben die Vereinsmitglieder eine klare Zukunftsvision entwickelt. „Das Ziel ist, die Region als Region der Produzent*innen und der gelebten Wertschöpfung sichtbar zu machen“, sagt Katharina Lentz. Zur Professionalisierung gehöre auch ein gemeinsamer wertebasierter Ansatz. Dafür wurden Kriterien erarbeitet, die bestehenden und neuen Mitgliedern als Orientierung dienen. Im Mittelpunkt stehen Fragen zu Regionalität, Nachhaltigkeit, Wertschöpfung und zur eigenen betrieblichen Haltung.

„Über einen Selbstauskunftsbogen und den regelmäßigen Austausch setzt der Verein bewusst auf Selbstreflexion, Transparenz und Weiterentwicklung. Wer Mitglied ist, soll nicht nur profitieren, sondern aktiv dazu beitragen, die Region gemeinsam nach vorne zu bringen“, so Katharina Lentz weiter.

Der Verein weitet aber auch den Blick. Wer mitmacht, kann sich mit anderen Betrieben austauschen, neue Trends und Methoden kennenlernen.

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Der Zusammenschluss öffnet sich nach 15 Jahren Vereinsgeschichte erstmals auch für Betriebe aus dem Non-Food-Bereich. Der Aufruf zur Mitgliedergewinnung stieß auf großes Interesse: Zehn Kandidaturen liegen dem Verein derzeit vor, darunter Hersteller aus den Bereichen Keramik, Seifensiederei, Holzarbeiten und Schneiderei. Der Vorstand entscheidet, wer beitreten darf. „Der Zulauf hat uns positiv überrascht“, sagt Robi Baden, Vorsitzender der Mëllerdaller Produzenten und hauptberuflich Geschäftsführer des Touristcenters Heringer Millen.

Er sieht eine spannende Entwicklung auf die Mëllerdaller Produzenten zukommen. Und freut sich, auf die hoffentlich tatkräftige Unterstützung der neuen Mitglieder. Abgesehen von der LEADER-finanzierten Projektstelle funktioniert der Verein vor allem ehrenamtlich. „Wer für den Verein im Einsatz ist, der fehlt im Betrieb.“  Deshalb blickt Robi Baden mit gemischten Gefühlen nach vorn. „Ohne LEADER wären wir nie so weit gekommen“, sagt Baden. „Wenn die Förderung ausläuft, wird sich zeigen, wie tragfähig die Struktur ist. Schon jetzt ist klar: Es braucht jemanden, der auch künftig die Fäden zusammenhält.“ Text und Fotos: Martine Hemmer