Suchen
LEADER 2025 FINAL

Lokaler geht’s kaum

November 2025
Eine Genossenschaft aus Wintger bringt Frisches vom Feld direkt zu den Kund*innen und überzeugt mit innovativen Geschäftsideen, die zur regionalen Wertschöpfung beitragen.

Niemand da? Die Tür des weißgetünchten Holzhäuschens steht offen. Drinnen warten mehrere Kühlschränke gefüllt mit frischer Ware: Obst, Gemüse, Eier, Fleisch. Daneben Regale wie aus dem Tante-Emma-Laden mit haltbaren Produkten. Wer möchte bekommt hier alles, was er für ein vollständiges Menü braucht. Und zwar in Selbstbedienung. Das Geld wird entweder bar in eine Kasse gelegt oder per Bezahl-App überwiesen. Alles auf Vertrauensbasis und ohne Personal im Laden. „Das funktioniert in der Regel gut“, berichtet Marc Jacobs von der Genossenschaft „Lokal Produkter va Wëntger“, die den Laden betreibt, um ihre lokalen Erzeugnisse zu vermarkten. Die Gemeinde Wintger hat das kleine Gebäude am Parkplatz vor dem Kultur- und Sportzentrum finanziert.

Kurze Transportwege und regionale Wertschöpfung

Marc Jacobs ist gerade mit dem Traktor vorgefahren, eben hat er noch in seinem Gewächshaus gearbeitet, das nur ein paar hundert Meter entfernt liegt. Dort reifen gerade die Tomaten, die später im Laden angeboten werden. Viel kürzer kann der Transportweg kaum sein. Das schont nicht nur das Klima, sondern garantiert auch einzigartige Frische und Qualität. Das Angebot ist saisonal, viele Produkte stammen direkt aus der Gemeinde Wintger. Ergänzt wird das Sortiment durch regionale Zukäufe: Nudeln, Gewürze, Kräutertee von Sauer und Our beispielsweise. Das Angebot wurde sofort gut angenommen. „Es ist einfach praktisch, abends noch schnell hier Halt zu machen, um die Zutaten fürs Abendessen zu besorgen“, sagt Marc Jacobs.

Mittlerweile ist die Genossenschaft auf neun Mitglieder gewachsen. Ihre Produktauswahl wurde daher auch für Restaurants und Kantinen interessant. „Allerdings ist es für diese Betriebe zu umständlich, bei jedem Betrieb einzeln zu bestellen und auf die Lieferungen zu warten“, erklärt Marc Jacobs. „Auf der anderen Seite ist es für uns Produzenten zeitraubend und kaum rentabel, mehrmals wöchentlich mit kleinen Mengen rauszufahren.“

„Es ist einfach praktisch, abends noch schnell hier Halt zu machen, um die Zutaten fürs Abendessen zu besorgen.“

Marc Jacobs bekommt viel positives Kundenfeedback

Die Lösung: Die Genossenschaft bündelt die Produkte ihrer Mitgliedsbetriebe zu einem gemeinsamen Sortiment für Großkunden. Dank einer LEADER-Kofinanzierung konnte eine halbe Personalstelle geschaffen und ein Lieferwagen gemietet werden. Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt.

Das Besondere an diesem Modell: Die Genossenschaft tritt nicht als Zwischenhändler auf, sondern als Vermittler. Die Wertschöpfung bleibt bei den Produzent*innen, und damit in der Region. Finanziert werden soll das System langfristig über gestaffelte Mitgliedsbeiträge, die sich nach dem Umsatz richten, der durch die Lieferungen entsteht.

Authentisch und am Puls der Zeit

Christa Schmitz kümmert sich nun darum, die „Lokal Produkter va Wëntger“ bekannt zu machen und ein Netzwerk im Norden des Landes zu knüpfen – engagiert, pragmatisch und gut gelaunt. Sie gewinnt neue Kund*innen, stellt jede Woche ein wechselndes Angebot zu den von den Produzenten festgelegten Preisen zusammen und sorgt dafür, dass die Lieferungen rechtzeitig ankommen.

Doch auch die Kund*innen im Selbstbedienungsladen und jene, die gerne in den sozialen Medien unterwegs sind, dürften Christa Schmitz mittlerweile kennen. Wenn sie nicht gerade die Regale und Kühlfächer auffüllt, macht sie Werbung auf Facebook. Mit ihrem Smartphone nimmt sie kurze Videos auf, in denen sie informiert, welche Ware gerade neu eingetroffen ist. Authentisch, regional verwurzelt, mit Herz und Hand – so wie die Produzent*innen aus Wintger!

Text: Martine Hemmer, Fotos: Jeniska Photography