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Mut zum Ehrenamt

April 2026
Der 28-jährige Charel Heim ist seit Ende vergangenen Jahres LEADER-Präsident der Region Mëllerdall. Der gebürtige Echternacher ist tief in seiner Heimat verwurzelt und ein überzeugter Fürsprecher für die Attraktivität des ländlichen Raums.

Für Charel Heim war es eine Selbstverständlichkeit, dass man sich am Echternacher See zum Gespräch trifft. Hier ist er aufgewachsen, hat als Kind unzählige Stunden mit Freunden verbracht. Und noch heute kehrt er immer wieder gern hierher zurück – zum Spazieren mit seinem Hund, zum Durchatmen, auf einen Kaffee. Viel Zeit zum Innehalten hatte der junge Jurist zuletzt allerdings nicht. Doch daran ist er gewöhnt: Seine Karriere begann er in einer US-amerikanischen Wirtschaftskanzlei in Luxemburg-Stadt. „Das Klischee ,work hard, play hard‘ traf anfangs durchaus zu“, erzählt er mit einem Lächeln. „Ich habe viel gearbeitet und danach ging es oft noch mit den Kollegen zum Feiern. Wir hatten eine gute Zeit.“ Bei seinem ersten Arbeitgeber lernte er auch seine Partnerin kennen, die schließlich mit ihm und dem Husky Sky nach Echternach zog. Derzeit orientiert sich Charel Heim beruflich neu: Er möchte sich als Notar selbstständig machen.

Damit junge Menschen nicht wegziehen

Was ihm ein besonderes Anliegen ist: Anderen jungen Menschen zeigen, dass die Region Mëllerdall genauso viel zu bieten hat, wie die Hauptstadt. „Man erreicht vielleicht nicht immer alles fußläufig, aber wer was erleben will, kann das auch hier. Es gibt in Echternach zum Beispiel mehr als 150 Veranstaltungen im Jahr.“

Voraussetzung dafür ist jedoch lokales Engagement. Charel Heim sitzt im Gemeinderat von Echternach und ist seit zehn Jahren Mitglied der LSAP. Als sein Parteikollege Luc Birgen sich aus der Politik zurückzog, rückte er nach. Schon zuvor hatte er aus nächster Nähe erlebt, mit wie viel Herzblut sein Vorgänger das Amt des LEADER-Präsidenten ausgeübt hatte.

„Mir war früh bewusst, welchen starken Impakt LEADER in der Region hat. Vor der Übergabe haben wir intensiv darüber gesprochen, was gut funktioniert und unbedingt erhalten bleiben sollte – und wo es Verbesserungsbedarf gibt.“

LEADER lebt in hohem Maße vom Ehrenamt. Damit diese Bereitschaft nicht schwindet, müssten Projekte deutlich schneller bewilligt und administrative Abläufe vereinfacht werden, ist Charel Heim überzeugt. Zugleich stellt er die Frage, ob sich mittlerweile nicht zu viele Institutionen mit denselben Herausforderungen befassen.

Für ihn steht fest: Eine Initiative wie LEADER muss sich kontinuierlich weiterentwickeln. Die Bedürfnisse in ländlichen Regionen verändern sich, die Bevölkerung wächst und wird vielfältiger. Ein partizipatives Instrument wie LEADER muss darauf reagieren.

Neben seiner Funktion als LEADER-Präsident ist Charel Heim Mitglied der Finanzkommission sowie der Kultur- und Tourismuskommission der Stadt Echternach. Als Wirtschaftsjurist legt er besonderen Wert auf eine vorausschauende Budgetplanung. Gleichzeitig engagiert er sich für kreative Projekte – etwa die Ausstellung „La vie à Echternach“ im Trifolion. Schülerinnen und Schüler des Echternacher Lyzeums setzten sich darin künstlerisch mit dem Alltag in der Abteistadt auseinander. 128 Werke entstanden, die zugunsten von UNICEF versteigert wurden.

„Ich wünsche mir, dass die fünf LEADER-Regionen noch enger zusammenrücken.“

Charel HEIM sieht diE StÄrke Von LEADER iM KOOPERATIONSGEDANKEN

Ein wirkungsvolles Mittel, um Bürgerinnen und Bürger für LEADER zu begeistern, sieht Heim in den sogenannten Mini-Projekten. Sie ermöglichen es, unkompliziert und schnell finanzielle Unterstützung für Ideen bereitzustellen, die sich unmittelbar auf die Lebensqualität in den Dörfern auswirken.

Was hat sich Charel Heim für seine Präsidentschaft vorgenommen? „Ich wünsche mir, dass die fünf LEADER-Regionen noch enger zusammenrücken. Jede Region hat ihre eigene Identität, jede lokale Aktionsgruppe funktioniert ein wenig anders und steht vor eigenen Herausforderungen – umso wichtiger ist es, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Nur so kann der LEADER-Ansatz in Luxemburg langfristig bestehen und weiter Unterstützung finden. Auch wenn wir uns noch mitten in einer Förderperiode befinden, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um über die Zukunft nachzudenken. Für meine Region wünsche ich mir weiterhin innovative Projekte, die einen neue Dynamik bringen.“

Ob Einwanderer, Familien mit Kindern oder junge Menschen, die – wie er – nach dem Studium ins Land zurückkehren: Sie sollen hier ein attraktives Umfeld finden. Text und Fotos: Martine Hemmer