2025 ist für Luc Roeder ein besonderes Jahr. Seit Oktober ist er Präsident der LEADER-Aktionsgruppe Miselerland. Wir treffen ihn in Steinheim, seinem Heimatort. Hier ist er aufgewachsen, hier lebten schon seine Großeltern. Unweit des modernen Passivhauses, in dem er mit seiner Frau und zwei Kindern wohnt, entsteht gerade ein Neubau: seine eigene Kellerei. Im hinteren Teil des Rohbaus lagern die ersten Fässer. In ihnen reift der Jahrgang 2025 – zum ersten Mal unter eigenem Dach. Bislang ließ Luc Roeder seine Bio-Weine bei Biowinzern an der Mosel ausbauen. Den Weinbau im Nebenerwerb nennt Luc Roeder ein Hobby, das er gerne mit seiner Frau teilt, allerdings eines, das Zeit, Geduld und große Hingabe verlangt.
Wein von der Sauer
Die Trauben stammen nicht von der Mosel selbst, sondern von der Hëlt, einem sonnigen Südhang oberhalb der Unteren Sauer. Seit über tausend Jahren wird hier Weinbau betrieben. Die Lage ist eine Besonderheit, eine geologische und kulturelle Insel. Auf der Hëlt wächst vermutlich der älteste Elbling Luxemburgs, an Reben, die wohl noch vor 1900 gepflanzt wurden. Heute ist das Gebiet nationales Naturschutzgebiet und Teil des UNESCO Global Geoparks Mëllerdall.
Gemeinsam mit drei anderen Winzern aus Rosport bewirtschaftet Luc Roeder diese besondere Lage. Schon als Jugendlicher träumte er davon, genau dort Trauben anzubauen, und begann gleich nach der Ausbildung auf den Kauf eines eigenen kleinen Wingerts zu sparen. Vor 16 Jahren konnte er sich die ersten 12 Ar leisten, heute besitzt er 84 Ar.
Biodiversität zwischen Rebstöcken
Hauptberuflich arbeitet Luc Roeder als Förster in Manternach. Er ist gelernter Umwelttechniker, und sein Blick auf den Weinbau ist ein ökologischer. „Jede Flasche Wein trägt zur Pflege der Kulturlandschaft bei“, sagt er. Es gehe ihm nicht allein um das Produkt, sondern um das Zusammenspiel von Boden, Pflanzen und Tieren. Der biologische Anbau sei für ihn deshalb selbstverständlich gewesen.



Auf den schmalen Terrassen kommt kein Traktor voran, so dass die Trauben mit der Hand gelesen werden müssen. Das erlaubt dem Winzer besonders wählerisch bei der Auswahl der Trauben zu sein. Die stützenden Trockenmauern hat er aufwändig selbst restauriert. Durch den Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide und Düngemittel haben sich viele Tier- und Pflanzenarten angesiedelt. Dort, wo sich Trockenrasen gebildet hat, gedeihen heute seltene Orchideen wie der Hummelragwurz oder das Purpur-Knabenkraut.
„Jede Flasche Wein trägt zur Pflege der Kulturlandschaft bei.“
Luc ROEDER
Die Eigenheiten dieses Terroirs wecken Neugier. Viele Verbraucher, darunter zunehmend auch Touristen, interessieren sich für Herkunft und Geschichte der Weine. Der Önotourismus, sagt Luc Roeder, sei mehr als ein Trend. Entsprechend engagiert er sich im Rahmen von LEADER sowohl im Miselerland als auch im Müllerthal. Als Direktvermarkter ist er aktiv bei den „Mëllerdaller Produzenten“, die durch LEADER gefördert werden. Als Vorstandsmitglied vom Luxemburger Winzerverband ist er seit Herbst 2025 nun auch der Präsident vom LEADER Miselerland.
Was ihn an dem Programm überzeugt? „LEADER richtet sich an alle Bewohner einer Region. Die thematische Vielfalt macht es zu einem starken Instrument, die Region voranzubringen“ Die Bereitschaft, neue Wege zu gehen, scheint Luc Roeder ohnehin in sich zu tragen – eine Eigenschaft, die ihm auch in seinem neuen Amt als Vorsitzender zugutekommen dürfte. Text und Fotos: Martine Hemmer